CSD Hintergrund

Die Geschichte des CSD begann am 27.06.1969 in der Christopher Street in Greenwich Village, dem schwulen Viertel von New York, als die Polzei einer ihrer damals üblichen Razzien durchführte. Die Besucher der Stonewall Inn Bar fügten sich diesmal nicht den Schikanen der Polizei, sondern schlugen zurück. Zum ersten Mal wehrten sich Schwule,Lesben und vorallem Transsexuelle gegen ihre alltägliche Unterdrückung. Zwei Tage gab es Krawalle, und "Stonewall" wurde zum Symbol einer neuen Bewegung, die schnell die ganze USA und später auch Europa erfaßte.

Heute gehen anläßlich des Christopher Street Day Schwule und Lesben zum Tausenden auf die Straße haben Spaß, präsentieren die Selbstverständlichkeit und Vielfalt dieser Art zu Leben und demonstrieren für eine Verbesserung der rechtlichen Situation.

Die größten CSD-Paraden in Deutschland sind die am ersten Juli-Wochenende in Köln und eine Woche vorher in Berlin - 2002 säumten in Köln 1,4 Millionen Menschen die Straßen und jubelten den 150 Wagen und 50.000 Teilnehmern zu. Damit wurde sogar der traditionelle Rosenmontagszug übertroffen.

Warum gibt es den CSD?

DragQueens verkörpern nicht den gewöhnlichen Schwulen !

Die Meinungen über den CSD sind aus verschiedenen Gründen geteilt. Ein Großteil der CSD-Gegner beruft sich hierbei auf die zugegeben nicht repräsentativen Bilder aus Printmedien und Fernsehen, in denen eben fast nur die DragQueens oder "Tunten", oder wie man die Jungs auch bezeichnen möchte, zu sehen sind. Zu diesen "Gays" kann man stehen wie man will, sie sind nunmal für das Bild des "gewöhnlichen Schwulen" in der unwissenden und intoleranten Heten-Gesellschaft nicht sonderlich positiv. Sie gehören aber dazu. Gleiches könnte übrigens für den Kinoknüller "Schuh des Manitu" gelten.

Mal darüber nachgedacht, warum wir uns heute relativ frei bewegen können ?
Andere wiederum meinen, ein CSD ist doch gar nicht mehr notwendig. Sie leben geoutet, toben sich in Szene und/oder möglichst vielen Betten aus. Ihnen sind die vielen "Versteckten" egal. Schlimmer noch ! Die denken wohl alles ist in Butter und am Paragraphen 175 (den sie natürlich nicht kennen) wird nie mehr rumgefingert. Sie sind schlicht und ergreifend egoistisch und sind ja sooo abgebrüht. Sie gehören zu den Konsumenten, machen mit der Herde "Muh" und halten ihre Fahne in den Wind, wählen am Ende sogar noch schwarz und merken es nicht wenn sie muhend in Richtung Schlachthaus getrieben werden (überspitzt ausgedrückt). Gedanken darüber, wie es dazu kam, daß sie sich heute so frei ausleben können, machen sich solche oberflächlichen Typen ganz gewiß nicht.
CSD-Konkurrenzdenken gibt es nur auf den unteren Schienen
Manche sind auch böse - oder besser besagt - traurig darüber, daß bei CSDs oder auch Aidshilfe-Veranstaltungen eine teilweise so große Konkurrenz unter den Veranstaltern herrscht. Klar, bin ich selber bissele stolz darauf, daß unsere Stuttgarter Macher so erfolgreich sind und Stuttgart im Jahre 2000 von Null auf Platz Fünf gebracht haben. Aber man braucht es doch nicht so an die große Glocke hängen. Richtig peinlich wird es, wenn ein CSD-Macher einer großen Badener Stadt proklamiert, daß er den CSD einer großen hessischen Stadt toppen will. Das bringt's natürlich nicht, denn man muß zusammenarbeiten. Auf CSD-Führungsebene ist kein Platz für den Jahrmarkt der Eitelkeiten. Und keine Sorge: Die wirlich großen CSD-Macher wissen das auch und handeln entsprechend.
CSDs sind nicht nur Party !
Viele vergessen auch, daß es sich beim CSD - bei aller Party - um eine Demonstration handelt. Es wurde viel erreicht. Aber stillhalten wäre fatal und ein Rückschritt. Es soll hier auch gar nicht in die Kerbe des Verlangens nach 100%gleichberechtigter Ehe mit Adoptionsrecht gehauen werden. Mir geht es um Akzeptanz (nicht Toleranz !!). Die CSD-Parade ermöglicht es dem interessierten Aussenstehenden, auch ganz "normale" Schwule und Lesben zu sehen, die ausgelassen ihre (Menschen-)Rechte einfordern. Solange eine Else Kling in der Lindenstraße von 175igern spricht, Klaus Wowereit bei einer Trauerfeier in der Berliner Gedächtniskirche angepöbelt wird, solange menschenverachtende Leserbriefe in den Stuttgarter Nachrichten stehen, völlig weltfremde Kirchenleute bruddeln..., solange wird es CSDs geben.

Und dann kommt vielleicht auch mal der Tag, an dem wir den CSD wirklich nur noch als reinen Gedenktag für Stonewall mit viel Party feiern können...

Die Regenbogenflagge

Das schwul-lesbische Leben ist bunt und vielfältig, und gefeiert wird auch gerne. Was lag also näher, als möglichst viele bunte Farben zu verwenden, um Mut, Stärke und Zuversicht als ein sichtbares Zeichen zu symbolisieren ? Die Farben des Regenbogens sind wie geschaffen dafür, und so fehlt die Regenbogenflagge heute auf keiner Parade mehr. Sie weht während der CSD-Feiern an manchen öffentlichen Gebäuden, sie klebt an vielen Autos und Rädern und steckt an unzähligen Jacken und Mützen. Der amerikanische Künstler Gilbert Baker hat sie geschaffen, und zum ersten Mal sichtbar wurde sie während der Gay Freedom Parade in San Franzisko im Jahre 1978. Im Verlauf der 80iger Jahre wurde sie immer mehr zum Symbol der Schwulenbewegung, und in den 90iger Jahren setzte sie sich auch in Deutschland durch. Die bunte Flagge steht in erster Linie für pure Lebensfreude. Hinter jeder der sechs Farben steht eine eigene Botschaft. Rot steht für das Leben, Orange für die Gesundheit, Gelb für die Sonne, Grün für die Harmonie mit der Natur, Blau für die Kunst und Violett für den Geist. Mittlerweile ist die Regenbogenfahne mit ihren Farben in der vorgegebenen Reihenfolge auch im internationalen Flaggenregister eingetragen. Und das Schönste an dieser Flagge: Sie wird überall auf der Welt als klares Symbol erkannt und mit Stolz getragen.